Ansichten von Christoph Keller

Inzwischen (Mitte 2025) ist es am Dampfenmarkt mit ernstgemeinten Produkten nach dem invasiven Boom des Einweg- und Convenience-Schrotts sehr still geworden. Fast alle Hersteller huldigen dem geschmacklosen Zeitgeist, bieten austauschbares Plastikzeug an und scheinen in erster Linie nur mehr am schnellen Profit interessiert zu sein. Nur wenige tapfere Hersteller und/oder Händler halten noch die Fahne hoch und leisten dem Niedergang erbitterten Widerstand – ähnlich wie das antike gallische Dorf damals in der Bretagne, 50 Jahre v. Chr.

Zu den eindeutigen Heroen dieses Szenarios gehört Patrick Fleischer, Inhaber von Pipeline, der zusammen mit Harris, seinem chinesischen Bruder im Geiste, unter der Marke „Arcana Mods“ ein lobenswertes Engagement zur Produktpflege höchstwertiger Verdampfer an den Tag legt.

Der Chariot RTA war schon spitze, der folgende Arcana 22 ebenso oder noch besser. Und weil gilt, dass aller guten Dinge drei sind, kam danach der Muted RTA, dem wie den beiden Vorgängern im Kreise der interessierten Selbstwickler-Veteranen höchste Aufmerksamkteit beschieden war. 

Ich selbst war auf den Muted schon gespannt und wollte eigentlich schon zu Jahresanfang 2025 einen Testbericht dazu verfassen. Wie manche wissen, kam aber in den letzten zwei bis drei Jahren in meinem familiären Privatleben so einiges zusammen, was mich so sehr abgelenkt und in Beschlag genommen hat, dass die Dinge, die mir eigentlich viel Freude machen, allesamt „hinten runter fielen“. Deswegen kam es leider nie zu diesem Testbericht, wenngleich der Muted seit ich ihn habe, eigentlich im täglichen Einsatz ist.

Als dann im Juni 2025 die Weiterentwicklung in Form des Muted+ erschien, war mein Testbericht zur ersten Version also noch immer nicht geschrieben. Deswegen war dann letztlich diese Weiterentwicklung der Anlass für mich, doch noch diesen Testbericht zum Muted+ zu verfassen. Inzwischen leben wir hier wieder in entspannteren Verhältnissen und deshalb passt das auch ganz gut. Ich denke, ein kombinierter Bericht ist hier durchaus sinnvoll, da die beiden Verdampfer ja im Grunde die gleiche Erscheinung haben. Deshalb werde ich auf den Muted allgemein eingehen und im Nachgang auf die Unterschiede zwischen den beiden Versionen, bzw. die Besonderheiten des „Plus“ im Vergleich zur ersten Version.

Sehen wir uns also an, ob der Muted dem Anspruch seiner Vorgänger folgt und/oder ob er deren Standard noch einen drauf setzt. Versorgen Sie sich mit einem Kaffee, einem Tee oder am besten mit einem 12-jährigen Single Malt Scotch – los geht’s.

Konzept

Nach den beiden erfolgreichen Vorgängern ging es beim Muted offenkundig darum, einen Verdampfer zu kreieren, der im Luftzug besonders leise ist, daher auch der Name. Dabei kann ich es mir natürlich nicht verkneifen, zu erwähnen, dass der Begriff selbst aus der Musikproduktion, bzw. der Tontechnik kommt: „muted“ bedeutet dort, dass man am Mischpult einen Audiokanal „stumm schaltet“. Da Patrick Fleischer genau wie ich im Herzen eben Musiker ist, lag dieser Name wohl näher als „Quieted“ oder „Silented“, was auch im Vergleich zu „Muted“ irgendwie nicht so knackig klingen würde.

Wie dem auch sei, leise sollte er sein und wenn man schon an der Airflow insgesamt herum tüftelt, kann man ja auch gleich mal in die Richtung gehen, die sich in der Vergangenheit bewährt hat, indem man die Airflow an die Seite setzte, und zwar gleich zweifach anstelle einer einzelnen Öffnung unter der Coil. Das ist an sich natürlich nicht neu, da die Seiten-Airflow bereits im hinlänglich bekannten Flash-e-Vapor zu den höheren Weihen gelangte. Aber auch im Bishop von Ambition Mods und einigen anderen RTAs war eine Seitenairflow eingesetzt worden.

Arcana Pipeline Muted 04 ReviewIm Fall des Muted ging es meines Erachtens darum, über die seitliche Airflow etwas geschmeidiger eine Konstruktion zu verfolgen, deren Ziel die oben erwähnte geringere Lautstärke war. Dies wird insbesondere dadurch unterstützt, dass die Airflow-Einlässe nach außen abgedeckt sind. Die Airflow wird somit nicht nur geräuschärmer, sondern auch nach außen hin unsichtbar. Um die Base herum sitzt ein Zylinder, der die Airflow abdeckt und gleichzeitig genug Abstand zur Außenwand der Base bietet, um den Wind dort hinein zu lassen. (Bild rechts)

Oberhalb des Zylinders besteht ein Spalt um die Base herum, der den Lufteinlass darstellt.

Auch diese Art der unsichtbaren Airflow mitsamt dem Schlitzeinlass kenne ich auch schon vom Merlin Nano, der als einer der berühmten Merlins von Augvape bereits 2019 auf den Markt kam – übrigens lange vor dem Cocoon von Steampipes. (Ehre, wem Ehre gebührt.)

Augvape Merlin Nano
Merlin Nano anno 2019

Allerdings führte beim Merlin die Luft zu einer einfachen Airflow unter der Coil, wie es zu dieser Zeit am häufigsten gebaut wurde. Dennoch war auch der kleine Merlin in der Hinsicht der Geräuschentwicklung etwas vorne, verglichen mit anderen RTAs dieser Zeit. Auch sein geringer Durchmesser von nur 19 mm sorgte mit der Kammer, die übrigens das gleiche Kunstoff-Werkteil wie der Dwarv verwendete, für einen auffällig guten Geschmack, während die unsichtbare Airflow dort eher als gefälliges Design-Gadget rüber kam – zumindest bei mir.

Selbstverständlich gehört es zum guten Ton, gerade in neuerer Zeit, die Airflow durch passende Einsätze verschiedenen Durchmessers dem Geschmack des Benutzers anpassbar zu gestalten. Damals beim Merlin war das noch etwas Besonderes, heute könnte man mit einer festen Airflow, die nur außen verstellbar ist, keinen Stich mehr landen. Es hat einige Zeit gedauert, bis die Hersteller realisiert haben, dass eine effektive Einstellung einer Airflow über die Variation der äußeren Einlässe nur im Ansatz möglich ist. Wen diese Thematik interessiert, dem empfehle ich die Lektüre meines dazu passenden Blog-Beitrags „Was ist MTL?„.

Aber zurück zum Muted: hier gibt es zwei Lufteinlässe, jeweils seitlich der Coil, wobei ein erkleckliches Arsenal an Airflow-Einsätzen verschiedenen Durchmessern inklusive eines Blindstopfens zur Verfügung steht. Die Einsätze werden ganz simpel in die Base eingesteckt und werden dort durch fein abgestimmte O-Ringe zuverlässig gehalten.

Im Lieferumfang sind die folgenden Airflow-Einsätze enthalten:

  • 2 x 0,8 mm
  • 2 x 0,9 mm
  • 2 x 1,0 mm

Damit lassen sich grundsätzlich bei paarweisem Gebrauch schon einmal Gesamteinlässe von 1,13 mm, 1,27 mm und 1,41 mm realisieren, was für die meisten MTL-Dampfer schon ein guter Ansatz ist. Natürlich lassen sich durch die Kombination verschiedener Durchmesser auch andere Abstufungen erreichen – aber dazu später mehr, denn das ist vor allem beim Muted + interessant.

Optional lassen sich noch zwei Erweiterungskits erwerben, erstens das „Tight MTL“-Kit (2 x 0,6 und 2 x 0,7 mm), zweitens das „Open MTL“-Kit (2 x 1,1 und 2 x 1,2 mm) sowie das „RDL“-Kit mit 2 x 1,3, 2 x 1,4 und 2 x 1,6 mm. Um Letzteres vernünftig wirksam benutzen zu können, empfiehlt sich der Austausch des Zylinders durch den optional erhältlichen RDL-AFC-Ring, der die Luftdüsen frei legt, damit die Luft ungehindert eindringen kann. (Anmerkung des Red..: Die Empfehlung dieses AFC-Rings seitens Pipeline impliziert eigentlich genau das, was ich bei meinen langwierigen Überlegungen zu dieser Airflow schon erwartet hatte – rein theoretisch; aber dazu kommt dann ein eigener Absatz.)

Angesichts der mehr als fairen Preisgestaltung der optionalen Airfloweinsätze steht hier jedem praktisch alles offen, was mit einem derartigen Verdampfer möglich ist – kein Vergleich zu den hohen Preisen anderer Hersteller in diesem Qualitätssegment.

 

Konstruktion

Arcana Pipeline Muted Driptip 01 ReviewHinsichtlich der Feinheit und Detailverliebtheit in Konstruktion und Fertigung schließt sich der Muted nahtlos an seine beiden Kollegen Chariot (Testbericht hier) und Arcana 22 (Testbericht hier) an. Es lässt sich beobachten, dass die äußere Erscheinung von Modell zu Modell stark an Schlichtheit und klarer Funktionalität gewann. Der Muted hat in diesem Sinne klar die Nase vorn: das gesamte Design entbehrt jeden Schnickschnacks, wobei die nicht (sichtbar) vorhandene Airflow und der großzügige Tank mit 4,1 ml Volumen, der den Glasanteil zugunsten des Edelstahls zurück treten lässt, klar im Vordergrund stehen. Lediglich die Topcap ist etwas gefast, um die Handlichkeit beim Öffnen zwecks Nachfüllen  zu gewährleisten. Erfreulich ist auch, dass das Driptip-Sortiment von Arcana Mods – wer hätte das gedacht? – natürlich auch im Muted benutzt werden kann. Wer wie ich schon einige dieser kleinen Schmuckstückchen hat, freut sich darüber.

Der Formfaktor bleibt beim Muted bei den MTL-freundlichen 22 mm im Durchmesser, wobei er deutlich länger ist als der Arcana 22; irgendwo müssen die 4,1 ml Tankinhalt ja auch hin. Hier ist bereits anzumerken, dass auch die zusätzliche Bottom-Airflow des  Muted+ noch einmal extra Höhe benötigt. Im Ganzen wirkt der Muted also deutlich länger als seine Vorgänger, in der Plus-Version für meinen Geschmack schon etwas zu lang. Wer damit nicht leben möchte, dem steht es frei, den Verdampfer mittels des optional erhältlichen „Nano-Kits“ auf eine reduziertere Länge zu kürzen; allerdings schrumpft dabei auch das Tankvolumen auf 2 ml – am Ende alles eine Frage der persönlichen Vorlieben.

Auch die Bajonett-Verschlüsse der Kollegen für die Topcap und die Base-Tank-Verbindung wurden natürlich beibehalten. Mir gefällt es gut, dass man beim Muted jedoch nicht mehr darauf achten muss, dass irgendwelche Logos seitlich zugeordnet werden, damit die Airflow passt. Man kann hier einfach aufstecken, wie es passt und zudrehen; die Airfloweinsätze liegen immer korrekt an.

Arcana Pipeline Muted 02 ReviewDas Kunststück, eine komplexe, zweckdienliche Konstruktion in allen nötigen Belangen so zusammen zu fügen, dass für den Benutzer keine Fragezeichen auftauchen, ist beim Muted noch einmal etwas besser gelungen als bei Chariot und Arcana 22. Nimmt man den Verdampfer auseinander, erklärt sich wirklich jedes Teil von selbst. Deswegen ist es einfach eine Freude den Verdampfer zu pflegen, bzw. neu zu wickeln. Alle Teile passen hochgeradig genau zusammen, alle Maße sind hochpräzise aufeinander abgestimmt. 

Die Bedienung erfolgt wie gewohnt, beim Öffnen der Topcap dreht man den Tank auf der Base etwas mit, wodurch die Liquidzufuhr unterbrochen wird und man den RTA problemlos befüllen kann. Umgekehrt funktioniert es genauso. Ebenso leicht lässt sich der Tank von der Base abnehmen, wenn man beim Drehen des Tank leicht nach oben zieht. Sobald das Bajonett seine Position passend erreicht hat, zieht man den Tank einfach ab, um die Base frei zu legen.

 

 

Arcana Pipeline Muted Wicklung 01 ReviewWickeln

Ein Detail, das mir persönlich ausnehmend gut gefällt, was aber auch nur auf den Muted mit der einfachen Seiten-Airflow zutrifft, jedoch nicht nicht auf den Muted+, ist die Bedienungsfreundlichkeit, wenn es ums Wickeln geht. Da sich unter der Coil eben keine Airflow-Öffnung befindet, kann man die Base für den Wattewechsel sehr gut säubern, wenn man die Coil noch weiter verwenden will. Die flache Bauart der Base am Boden erlaubt beispielsweise den Einsatz einer Zahnbürste unter fließendem Wasser, um die Base im Ganzen mal eben zu reinigen. Da die Base auch keine Hohlräume besitzt, wo sich Kondens oder Liquid sammeln und für Verschmutzungen sorgen könnte, ist die Base somit im Ganzen einfach zu pflegen. Danach zieht man frische Watte ein und weiter geht’s. 

Arcana Muted LiquidzufuhrDas Wickeln, beziehungsweise Bestücken des Verdampfers mit der Wicklung eigener Wahl ist meines Erachtens hier äußerst komfortabel. Wie bereits erwähnt, ist die Base von der Bauart her mehr als übersichtlich. Der Liquidfluß wird wie bei den Vorgängern über diese cleveren kleinen Kanäle in der Seitenwand gewährleistet, die beim Befüllen durch die Drehung des Tanks gegen den Uhrzeigersinn verschlossen werden. Man kann die Wattewannen vor dem Liquidaustritt sehr gut identifizieren, wodurch die Platzierung der Watte keinerlei Fragen aufwirft.

Durch die Luftbestrahlung der Seiten-Airflow ist es nötig, die Coil so zu platzieren, dass die Luft zuverlässig auf den unteren Teil der Coil gerichtet wird. Wäre er zu hoch, fiele die Kühlung weg und es gäbe auch nur wenig bis keinen Geschmack. Ich habe tatsächlich schon RTAs gesehen, die zwar unglaublich gehyped und gelobt wurden, die sich aber nicht schämten, den Luftstrahl von oben auf die Coil zu richten, was natürlich vollkommener Goggolores ist. Mir fällt da als Paradebeispiel – soweit ich mich richtig erinnere – der erste Dead Rabbit ein, das Teil war aus meiner Sicht eine Frechheit. Aber das nur am Rande.

Arcana Pipeline Muted Wicklung 02 ReviewJedenfalls befinden sich auf dem Muted-Deck links und rechts der Wicklung zwei Führungen, mittels derer man die Coil sehr präzise und einfach positionieren kann, damit der optimale Einfallwinkel für die Luft auf die Coil garantiert ist. Ich habe meinen Muted grundsätzlich so gewickelt, dass die Position umgesetzt war. Sicherlich kann man noch etwas vaiieren, aber wie gesagt: achten Sie darauf, dass die Coil nicht zu tief sitzt.

Ist man mit Coil und Einziehen der Watte fertig, kommt es noch darauf an, die Watte sauber im Inneren der Base hinter die Führungen zu verlegen. Das ist so ein bißchen fummelig, lässt sich aber anders nicht lösen. Aber wenn die Watte am Ende sauber in den Wannen liegt und nichts nach außen übersteht, ist alles perfekt. Es gibt weder Nachflussprobleme noch Überschwemmungen.

Die Positionierung der Coil beim Muted+ gestaltet sich etwas anders, da dort die senkrechte Airflow von unten dazu kommt. Das erlaubt problemlos, die Coil nach Belieben weiter nach unten zu setzen, da eben dann von dort gekühlt wird. Die Seitenstrahlen der Luft aus der Horizontale übernehmen dann eher geschmacksgestalterische Funktion. Oder anders ausgedrückt: die gesamte Airflow mit ihren drei Quellen und zwei Ebenen funktioniert dann gänzlich anders, worum es beim Muted+ dann auch letztlich geht.

 

Muted mutiert

Kommen wir nun zur Abgrenzung zwischen den beiden Varianten Muted  und  Muted+. Der erstere war nach zweijähriger Entwicklung nach dem Arcana 22 die eigentliche Neuerung aus der Pipeline/Arcana-Schmiede, wo es in erster Linie darum ging, einen möglichst geräuscharmen Verdampfer zu bauen, der gleichzeitig die Vorzüge der Seiten-Airflow bot. In meinen Augen ist der Muted grundsätzlich die bisherige Krönung der MTL-Verdampfer aus dem Hause Arcana/Pipeline.

Cirka ein halbes Jahr später kam dann der Muted+, der im Grunde genauso gebaut ist wie der Muted ohne Plus, die Airflow-Technik jedoch um eine Bottom-Airflow ergänzt. Ich kann mich irren, aber soweit ich mich erinnere, gab es das so zuvor noch nicht; entweder eine Seiten- oder eine Bottom-Airflow, aber beides gleichzeitig? Der Muted+ ist in dieser Hinsicht wohl schon eine Premiere. Umso beeindruckender finde ich, dass trotz der aufwändigen Airflow von außen alles noch immer unsichtbar ist – Reschpeckt!

Muted-Muted+Von der Bauart her sind die beiden Versionen grundsätzlich identisch, wobei der Muted+ ab Werk mit einem Glastank kommt, der Muted mit einem Edelstahl-/Glastank. Diesen kombinierten Tank gibt es auch zu einem – nebenbei bemerkt – äußerst moderaten – Preis einzeln zu kaufen, so dass man auch dem Muted+ an der Stelle den gleichen Look verpassen kann, so man dies lieber mag. Bedingt durch die zusätzliche Bottom-Airflow in der Base ist der Muted+ mit seinen 40,5 mm etwas höher als der Muted (38 mm). Infolge dieser Kompatibiltät hat man als Kunde die Option, den Muted+ entweder im Ganzen neu zu kaufen oder durch die separat erhältliche „Muted+-Base“ (ja der Bindestrich ist korrekt, ansonsten stünde an der Stelle ein Deppenleerzeichen) einen vorhandenen Muted zu einem Muted+ umzubauen. Preislich ist diese Option etwas „aufwändiger“, da der Preis für den vorhandenen Muted zuzüglich der neuen Base höher ist als der Preis für einen zusätzlichen Muted+ allein. Dennoch finde ich das so recht gut, da man so mit nur einem Verdampfer flexibler ist. Mein Testproband besteht deswegen auch aus einem upgegradeten Muted.

Arcana Pipeline Muted Basen 1 ReviewWie inzwischen klar sein dürfte, besteht das eigentliche „Plus“ beim zweiten Muted im Wesentlichen aus der doppelten, oder wenn man will, dreifachen Airflow: zwei seitlich, eine von unten. Natürlich macht das in diesem Gesamtkonzept nur dann Sinn, wenn auch die Lufteinlässe für die untere Airflow „gemuted“ sind. Das ist auch mit einem indirekten Lufteinlass um die Base herum konstruktiv umgesetzt. Der zarte Spalt unterhalb des Tanks wiederholt sich hier entsprechend oberhalb der Basenunterkante. Im Bild die beiden Basen des Muted und des Muted+ im Vergleich: man sieht deutlich, dass die einzige interne Änderung der Pluspol in der Mitte (510er) ist, der beim Muted+ durch einen austauschbaren Airpin ersetzt wurde, der gleichzeitig als 510er-Pol dient. Äußerlich ist die Base des Plus nach unten um den Airflow-Einlass erweitert, der gleichzeitig die 22mm des Verdampferdurchmessers berücksichtigen muss.

Arcana Muted Basen 2Folgerichtig hält die Airpin, bzw. der Pluspol die beiden Teile der Base zusammen, man zerlegt also beim Wechsel der Airpin die Base sozusagen automatisch. Das ist nicht schlecht, weil auch das das Reinigen des Innenlebens erleichtert, bzw. man dann mit wenig Aufwand eben durch Blickkontrolle den inneren Zustand der Base kontrollieren kann. 

A propos Airpin: gleichgültig, ob man nun den Muted+ als Ganzes neu anschafft oder den vorhandenen Muted mittels der optional erhältlichen Muted+-Base umbaut, man hat es auf jeden Fall dann mit zweierlei Airpin-Typen zu tun, denen für die Seitenairflow und denen für die Bottom-Airflow.

Im Lieferumfang beider Optionen befinden sich zur Gestaltung der Bottom-Airflow folgende Airpins:

  • 1 x 0,6 mm
  • 1 x 0,8 mm
  • 1 x 1,2 mm
  • 1 x geschlossen
  • 1 x Side-Airpin geschlossen

Die zusätzliche blinde Airpin ist nötig, um zusammen mit der bereits vorhandenen beide Seitenairflows zu verschließen, für den Fall, dass man den Verdampfer lediglich über die Bottom-Airflow betreiben will. Das ist gerade zum Austesten des Verhaltens ziemlich wichtig, damit man sich ein Bild machen kann; also beide Versionen unabhängig voneinander zu beurteilen: nur von der Seite oder nur von unten. Kauft man den Muted+ als Ganzes einzeln, befinden sich natürlich auch die weiter oben genannten Side-Airpins im Lieferumfang.

Arcana Muted Base Muted+ 2Der Vollständigkeit halber gebe ich noch zu Protokoll, dass die Durchmesser-Beschriftungen der Airpins (beide: Seite und Boden) so gestaltet sind, dass es sogar mir möglich ist, diese Beschriftung einigermaßen entspannt abzulesen. Das ist für mich persönlich auch eines dieser kleinen aber wichtigen Details, die zeigen, dass ein Hersteller nachdenkt, bevor er etwas auf den Markt wirft. Zusätzliches Gerät wie Lupe oder Halogenstrahler sind hier also obsolet.

Optional ist jedoch neben den Side-Airflow-Kits (Tight, Open, RDL) auch ein Bottom-Airpin-Kit mit jeweils einmal 1,0 mm, 1,4 mm und 1,6 mm erhältlich. Mal kurz überschlagen: insgesamt stehen damit – wenn man alle in Anspruch nehmen will – immerhin 29 Airpins zur Verfügung. Okay, einige davon doppelt, damit die Seiten gleichwertig bestückt werden können, aber die Anschaffung eines eigenen Muted-Ordnungssystems könnte man quasi gewissermaßen in Erwägung ziehen.

Zieht man noch alle erhältlichen Modifikations-Teile in die Betrachtung mit ein, wie diverse Tank- oder Topcap-Varianten, Diamond-Kits, Drip-Tips und dergleichen, wird man um ein eigenes Schrank- oder Schubladenabteil für diesen Verdampfer kaum herum kommen. Zumindest ist hier seitens der Hersteller an praktisch alle Bedürfnisse gedacht, was ich durchaus als Implikation für ein längerfristiges Angebot des Produktes identifiziere – und das ist mehr als lobenswert!

Welch ein Unterschied! Wie sich Pipeline hier zu den anderen verbliebenen Dampferläden absetzt, die nur noch Plastikeinwegschrott feil bieten und sich um die Bedürfnisse der verbliebenen Begeisterungsdampfer einen Dreck kümmern!

 

Büschen Mathe und Physik gefällig?

Es gibt grundsätzlich zwei Parameter, die bei diesem Verdampfer schicksalhafte Auswirkungen haben: der eine ist der Gesamtdurchmesser der eingesetzten Airpins, der andere das kombinierte Widerstandsverhalten der eingesetzten Airpins. Ich gebe ohne Umschweife zu, dass ich mir zu diesem Thema den Kopf wirklich zerbrochen habe, da mich beim Testen des Verdampfers der eine oder andere Effekt etwas überrascht hat. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass man den Muted+ nur mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium fachgerecht nutzen kann, aber etwas Verständnis für die speziellen physikalischen Gegebenheiten kann hilfreich sein.

Ungeachtet dessen kann man natürlich munter drauflos probieren, die Pins tauschen und sehen, was passiert. Das ist bei den insgesamt zur Verfügung stehenden tausenden Kombinationen ja schnell absolviert.

Aber ernsthaft: anfänglich ist schonmal die Erkenntnis hilfreich, dass sich zwei Kreisdurchmesser in ihrem Gesamtwert nicht einfach addieren lassen. 2 x 1,2 mm ergibt also nicht 2,4 mm Gesamtdurchmesser der summierten Fläche. Gehen wir das zum besseren Verständnis vielleicht kurz durch.

Dazu sehen wir uns die Kreisfläche an, die aus dem Durchmesser von 1,2 mm resultiert:

A = π/4 * 1,22 = 1,13 mm2

Rechnet man diesen Wert mal 2, weil es ja um zwei gleiche Airpins geht, komme ich auf eine Gesamtfläche von 2,26 mm2. Errechne ich nun aus dieser Fläche den Durchmesser:

d = 2 * √(A / π) = 2 * √(2,26 / π) = 1,7 mm

Wir sehen also, dass der Durchmesser aus der Gesamtfläche zweier Durchmesser ungleich der Summe der einzelnen Durchmesser ist; in unserem Fall heißt das, dass zwei Airpins von jeweils 1,2 mm Durchmesser einen Gesamtdurchmesser von 1,7 mm ergeben. Deswegen kann man auch nicht einen angestrebten Gesamtdurchmesser von 1,2 mm durch zwei Airpins mit jeweils 0,6 mm erreichen. Dazu benötigt man zum Bespiel einen Airpin mit 0,8 mm und einen mit 0,9 mm, oder aber einen mit 0,6 und einen mit 1,0, was allerdings nicht genau die bewussten 1,2 mm sondern lediglich 1,13 mm ergibt.

Dadurch ergibt sich im Umkehrschluß: je genauer Sie einen angestrebten Airflow-Durchmesser umsetzen wollen, desto mehr verschiedene Airpins benötigen Sie. Man kann ja problemlos voraussetzen, dass man ab dem Kauf des Muted RTA die beiden oben gezeigten Formeln a) im Kopf hat und b) auch im Kopf berechnen kann. Es ist dann nur mehr der Griff zu den passenden Airpins nötig. Aber was passiert, wenn man einen Muted+ sein Eigen nennt? Dann geht es nämlich um 3 (in Worten drei) verschiedene Durchmesser!

Es ist eine Sache, solch einen Verdampfer auf den Markt zu werfen: „Guck ma, Du hast Millionen Optionen, aber wie Du rausfindest, dass die auch funktionieren, ist deine Sache.“ – begleitet von einem hämischen Grinsen. Und auch hier – wie soll es anders sein – springen Patrick und Harris in die Bresche und sagen nach „A“ auch „B“, indem sie das passende Airpin-Kombinationskonfigurator-Berechnungswerkzeug zur Verfügung stellen. Voilà – der erste Rechner zur zweckdienlichen Planung einer Tripel-Airflow wartet auf Ihre Benutzung:

 

Dieses Rechentool ist zweiteilig und für die Benutzung der beiden Muted-RTAs überaus hilfreich. Ich habe mich moralisch bereits darauf eingestellt, diesen Konfigurator schrifttechnisch zu behandeln, bin aber zu dem Schluß gekommen, dass ich mir damit einen Wolf schreiben würde und das den Rahmen dieses Testberichtes sprengen würde; es wäre auch zuviel Abstraktion nötig. Deswegen erläutere ich das Werkzeug lieber mit Hilfe eines kleinen Videos, das hier folgt. Klicken Sie zum Ansehen einfach auf das Video, es ist hier in meiner Website eingebettet und kommt gänzlich ohne Youtube oder sonstiges und damit auch ohne Tracking aus.

Zu Beginn dieses Absatzes zu Mathe und Physik habe ich auf die beiden Parameter hingewiesen, die meines Erachtens bei diesem Verdampfer eine übergeordnete Rolle spielen, eben weil wir es mit drei Luftstrahlen zu tun haben. Das Thema mit den Durchmessern habe ich jetzt eingehend beschrieben, aber auch zum zweiten Parameter, dem Luftwiderstand, will ich zumindest schreiben, was mir durch den Kopf geht.

Wenn man zwei Wasserschläuche nimmt, die den halben Durchmesser eines einzelnen Schlauches haben, wird man sehen, dass bei gleichem Druck bei den beiden Schläuchen ein anderer Strahl entsteht als bei dem einzelnen Wasserschlauch. Wenn ich zudem das Wasser zuvor noch umleite, quasi diffussiere, wird sich der Austritt noch einmal ändern – sich im Druck eher senken als steigern, folglich auch, was die Geschwindigkeit angeht. Was meine ich damit?

Selbst wenn ich zwei Airpins relativ genau berechne, um einen Gesamtdurchmesser zu erreichen, wird das Luftverhalten anders sein, als wenn dieser Gesamtdurchmesser durch nur einen Airpin generiert wird. Wenn noch zusätzlich der Lufteinlass in sich über eine relativ breite Fläche diffussiert wird, wird sich auch das auswirken. Der optional erhältliche RDL-Airflow-Ring für den Muted hat von daher seinen Sinn, mehr noch: er dokumentiert den gesamten Sachverhalt. Setzt man diesen Ring ein, ist das hauptsächliche Merkmal des Verdampfers, nämlich die „gemutete“ Airflow praktisch ausgehebelt.

Dies bestätigt meinen persönlichen Eindruck, dass man jeden Vorteil mit einem Nachteil bezahlt. Und genau aus diesem Grund ist es nötig, für die drei Airflows möglichst viele verschiedene Einsätze zu haben. Am Ende wird man tatsächlich austesten müssen, was einem persönlich am meisten passt.

Ich habe, seit ich dampfe, noch keinen MTL-Verdampfer erlebt, der so derart subjektiv anmutet wie der Muted+ – ein nettes Wortspiel. Konventionen helfen hier kaum weiter, der persönliche Maßstab transportiert gleichsam den Verdampfer. Ich glaube nicht, dass es zwei unterschiedliche Menschen gibt, die präzise genau die gleichen Einstellungen in ihrem jeweiligen Muted nutzen werden, im Gegenteil: es wird so viele verschiedene Einstellungen wie Nutzer geben. Individueller und anpassbarer dürfte es kaum gehen.

 

Abschließend

Es gab keinen Absatz zu „Dampf und Geschmack“, überrascht? Das hat zwei Gründe:

• Erstens erscheint es kaum noch nötig, den Geschmack eines Arcana-RTA überhaupt zu erwähnen. Selbstverständlich liegt er auf höchstem Niveau. Alles andere wäre grotesk, nachdem Chariot und Arcana 22 die Vorreiter waren.

• Zweitens ist es aus meiner Sicht sinnfrei, hier irgendwelche Beschreibungen aus irgendwelchen persönlichen Konstellationen meiner Provinienz abzuliefern, weil ohnehin jemand anders den Verdampfer ganz anders einstellen wird.

Insofern: verlassen Sie sich darauf, der Muted+ wird Ihnen schmecken!

Und noch einmal zum Abschluß: Dieser Verdampfer fordert dem Benutzer einiges ab: man muss sich mit ihm beschäftigen, ihm und sich selbst Zeit geben und herausfinden, wo genau man von ihm abgeholt werden möchte. Ist man hierzu bereit, eröffnet der Muted+ allerdings Optionen, die es zuvor so in keinem anderen Verdampfer gegeben hat.

Ich halte es auch durchaus für möglich, dass der eine oder die andere mit diesem RTA Effekte erzielen kann, die in der Kombination aus Zuggefühl und erzieltem Geschmack neue Dimensionen eröffnen. Jemand, der zuvor lediglich den Plastikschrott vom „Fachhandel“ oder vom Kiosk gedampft hat, wird mit dem Muted+ so gesehen vollkommen überfordert sein, denn dieser RTA ist an kreativer Komplexität kaum zu übertreffen.

All das ist kein Zufall, die Entwicklung des Muted nahm zwei Jahre in Anspruch. Alleine der Calculator weist schon den Weg in die unendlichen Optionen, die hier bereit stehen. Dabei bin ich überzeugt, dass sich Patrick und Harris von Pipeline/Arcana Mods ihrer Zielgruppe durchaus bewusst sind.

Die beiden haben – meine Sicht sei mir bitte verziehen – mit dem Muted+ das Ende der Fahnenstange dessen erreicht, was sinnfällig in einem MTL-Verdampfer möglich ist. Ich glaube nicht, dass noch viel mehr geht – ich lasse mich aber auch gerne überraschen – wäre ja nicht das erste Mal, dass Patrick Fleischer das schafft.

 

Arcana Mods Muted / Muted+ • Plus & Minus:

Plus:

  • bestechende Flexibilität in punkto Airflow

  • überaus nutzerfreundliches Handling mit großer Alltagstauglichkeit

  • recht leiser, smoother Zug bei gleichzeitig starker Geschmacksentfaltung

  • immense Auswahl an Zubehör, das nicht überteuert erscheint

  • im Vergleich mit Deutschen Mitbewerbern überaus preiswert

  • hervorragende Gebrauchsunterstützung durch den Browser-Konfigurator

  • idealer Verdampfer für lange Winterabende

Minus:

  • bauliche Proportionen etwas unausgeglichen, mit Nano-Kit besser

  • gewisses Maß an technischem Verständnis erforderlich um die Lernkurve nicht zu flach werden zu lassen

© Text,Bilder  und Video 2025 by Christoph Keller

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1 Gedanke zu „Review: Arcana Mods Muted/Muted + RTA“

  1. Herrlich, dieser Muted+! Ein Dandy mit doppeltem Atem – Airflow von oben und unten, fast so komplex wie ein Politikerwahlkampf, aber ohne die Verwirrung. Die Mathe- und Physik-Exkursion war… naja, interessant, aber ich hoffe, die meisten Leser haben nicht versucht, ihren Verdampfer mit einem Luftpumpen zu betreiben. Der Konfigurator-Rechner klingt nach einem echten High-Tech-Gerät – selbst für diejenigen, die beim Einkochen des Porzellan noch Probleme haben. Aber hey, wenn man so ein Arsenal an Airpins hat, muss man sich ja auch was einfallen lassen, um die Dinger nicht mit einem Hammer zu öffnen.管道科技,真是让人大开眼界!

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